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Mit Erfahrung Zukunft gestalten

Friedenstdienst in Uganda: Elisabeth Heisters aus Westerburg über ihre Zeit in Afrika

Internationales

Elisabeth Heisters aus Westerburg absolviert derzeit einen 13monatigen Friedensdienst über EIRENE in Uganda. Gabi Weber unterstützt sie dabei, dafür lässt uns Elisabeth Heisters an ihren Erlebnissen in einer völlig anderen Welt teilhaben. Hier der Auszug eines weiteren Berichts:

Das Child Restoration Outreach (CRO) ist eine ugandische, christlich geprägte NGO, die
sich für Straßenkinder und deren Familien einsetzt. Neben der Betreuung der Kinder auf
eigenem Gelände (Center) gehört u.a. zu den Aufgaben des CRO die Arbeit mit den Familien.
Das Ziel des CRO ist die Reintegration der Kinder in die Familien und die Gesellschaft.

In der Einrichtung des CRO sind momentan meistens um die 30 Kinder anwesend, die zur
sog. Rehabilitation Class zählen. Manche kommen zuverlässig, andere nur ab und zu. Seit
dem 6. Mai sind Schulferien, weshalb zusätzlich etwa 20 der ehemaligen CRO-Kinder ins
Center kommen, die sonst wieder in die Schule gehen. Es sind mehr Jungen als Mädchen, alle
verschiedenen Alters, sie sind zwischen 10 und 17 Jahren alt.

Manchmal begleite ich die Aktivitäten der Sozialarbeiter, z.B. Schulbesuche. Auf dem linken
Bild sieht man Sozialarbeiter Mike im Gespräch („Follow-Up-Counseling“) mit einem
unserer ehemaligen Kinder. Sie werden noch weiter begleitet, nachdem sie in ihre Familie
zurückgebracht worden sind und wieder in die Schule gehen. Wie geht es dem Kind zuhause
und in der Schule? Gibt es irgendwelche Probleme? Rechts sieht man eine Schulklasse. In den (staatlichen) Schulen sind meistens 60 oder mehr Kinder in einer Klasse – mit einem Lehrer.

Meistens bin ich jedoch im Center. Dort läuft ein normaler Tag etwa wie folgt ab:
Nach der Ankunft gegen halb neun beginnen wir den Tag mit einer Andacht (Mitarbeiter und
Kinder getrennt, auf Englisch bzw. Luganda), der Morning Devotion. Es wird gesungen,
gebetet, in der Bibel gelesen und Fürbitte gehalten.

Danach beaufsichtige ich die Kinder beim Saubermachen, schicke sie zum Duschen und
verteile mit der Lehrerin zusammen Uniformen sowie Zahnbürsten. Jeden Morgen werden der
Hof und die Räume gefegt, die Böden nass gewischt (was natürlich am meisten Spaß macht,
wenn man den Raum flutet: links) und manchmal muss das Gras geschnitten werden, wobei
ein Gerät hin- und hergeschwungen wird, dessen umgeknicktes Ende eine Art Klinge ist.

Danach gibt es zum Frühstück Porridge (ein flüssiger Maisbrei) oder Tee. Um 11 Uhr beginnt der morgendliche Unterricht (dazu unten mehr), nach dessen Ende die Kinder (endlich!) spielen dürfen, wobei Fußball und Basketball sowie „Mensch ärgere dich nicht“, hier „Ludo“  genannt, am beliebtesten sind. Aber auch wenn wir Seil springen, knüpfen oder Gitarre spielen,
sind viele Kinder begeistert dabei. Auf den Bildern sieht man Mädchen bei Gummitwist und  Hüpfkästchen.

Mittagessen gibt es um 13 Uhr, es besteht normalerweise aus „Posho and Beans“, das ist ein
fester Brei aus Maismehl mit Bohnensoße. Nachmittags folgt wiederum eine Unterrichtseinheit.
Dann duschen die Kinder, ziehen sich um, stauben noch Reste aus der Küche ab und gehen gegen 16 Uhr.

Ich helfe in der Klasse oder unterrichte selbst, betreue die Kinder zwischendurch, spiele mit
ihnen und bin für Einzelne da, die nicht am Unterricht teilnehmen.

Den Rest der Zeit beschäftige ich mich z.B. indem ich mit den Kindern spiele, knüpfe, bastele
und male, sie auf der Gitarre herumklimpern lasse, Haare schneide, Botengänge mache,
Formulare einhefte oder Unterricht vorbereite.

Zu unterrichten macht mir Spaß, es stellt mich jedoch vor verschiedene Herausforderungen:
1. Die Kinder sind alle unterschiedlich alt und – wichtiger – unterschiedlich lange zur Schule
gegangen, manche noch nie, manche schon fünf oder sechs Jahre. Diese verschiedenen
Niveaus sind kaum unter einen Hut zu bringen.
2. Die Sprachbarriere ist groß. Ich kann wenig Luganda, die Kinder können zum Großteil wenig Englisch und nicht immer ist jemand zum Übersetzen da.
3. Nicht anders als in Deutschland sind viele Kinder nicht besonders motiviert; sie würden lieber spielen als lernen, schreiben oder rechnen. Zudem ist bei unseren Straßenkindern das Problem, dass sie oft sehr müde sind, wenn sie nachts nicht oder wenig geschlafen haben. Meistens schlafen darum auch Kinder im Unterricht. Andere machen sich als Klassenclowns alle Ehre und nicht selten herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.
4. Meine Autorität ist nicht besonders groß. Zum Teil liegt das daran, dass ich die Kinder
nicht schlage und sie das genau wissen. Einmal meinte der Lehrer, die Kinder sollen nicht
kämpfen, sondern zu mir kommen, wenn es Streit gibt. Da sagte ein Junge: „Lisa weiß nicht,
wie man schlägt.“ Es ist hart, damit umzugehen, aber Schlagen gehört hier eben zur
Erziehung dazu, die Kinder kennen das so und haben kein Problem damit, diese Art der Strafe
ist ihnen quasi gewohnheitsmäßig lieber, als eine Strafarbeit oder etwas ähnlich „Anstrengendes“. Ich bin mir nicht sicher ob die Lehrer die Kinder schlagen, offiziell darf das im CRO aber nicht getan werden.

Außerdem sind es Straßenkinder, die sowieso meinen, sie müssten auf nichts und niemanden
hören. Sie sind freiwillig im CRO und wenn es ihnen dort nicht gefällt, müssen sie nicht mehr
kommen – unser Ziel wäre in diesem Fall verfehlt. Ihr seht also, es ist nicht einfach, trotzdem versuche ich, das Beste daraus zu machen und den Kindern wenigstens ein bisschen etwas mitzugeben.

Am liebsten unterrichte ich Kunst, wo sonst nur Mandalas ausgemalt wurden, was sicher auch gut ist, auf Dauer aber nicht alle Kreativität in den Kindern weckt und sie ihre Fähigkeiten in Umgang mit Schere und Kleber nicht (weiter-) entwickeln lässt.

Ich hoffe, der Bericht war interessant und ihr könnt euch jetzt vorstellen, wie es bei mir in der Einsatzstelle so zugeht. Ich bin an den Herausforderungen gewachsen und werde viel daraus mitnehmen. Die Arbeit mit den Kindern macht mir – trotz aller Schwierigkeiten – viel Spaß und ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden, nach Uganda zu gehen.

Dass ich hier richtig bin zeigt sich mir am deutlichsten, wenn ich ins CRO komme und alle
sich freuen mich zu sehen, Kinder auf mich zu gerannt kommen, um mich zu begrüßen, oder
wenn sie nach mir fragen, wenn ich mal nicht da bin.
Beste Grüße aus Uganda,
eure Elisabeth
NamuLisa

 

Homepage Gabi Weber - Ihre Abgeordnete für Westerwald und Rhein-Lahn

 

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