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Gesundheitsversorgung auf dem Land

Veröffentlicht am 13.02.2020 in Ortsverein

Sabine Bätzing-Lichtenthäler beim OV Rennerod

Die gesundheitliche Versorgung geht uns alle an und ist auch in den Verbandsgemeinden im Westerwald ein Standortfaktor für die Zukunft. Davon zeigte sich Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler während der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Rennerod am 7.2.2020 überzeugt.

Herausforderungen für die hausärztliche Versorgung auf dem Land

Sie sprach von großen Herausforderungen für die hausärztliche Versorgung auf dem Land:
- Das Durchschnittsalter aller Hausärzte ist in RLP am höchsten in allen Bundesländern.
- Nur 11% der Medizinstudentinnen und -studenten wollen Allgemeinmediziner werden.
- Das herkömmliche Modell der Hausarztpraxis (Einzelkämpfer, „rund um die Uhr“ verfügbar, allein verantwortlich für Verwaltung…) ist heute nicht mehr attraktiv.
- Viele junge Ärzte wollen nicht mehr im ländlichen Raum arbeiten.

Die gesundheitliche Versorgung sicher zu stellen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Hier müssen alle Ebenen der Politik von Bund, Ländern bis zu den Kommunen zusammenarbeiten. Auch die Fachleute von der Ärzteschaft, den Krankenkassen, den Krankenhausträgern und Gewerkschaften müssen gemeinsam mit der Politik nach Lösungen suchen.

Ambulante Gesundheitsversorgung

Zur Förderung der ambulanten Gesundheitsversorgung wurden laut Bätzing-Lichtenthäler verschiedene Maßnahmen ergriffen, die kurz-, mittel- und langfristig wirksam sind.

Zu den kurzfristig wirksamen Maßnahmen gehört unter anderem, kooperative Praxismodelle auch auf dem Land leichter zu ermöglichen. Darüber hinaus fördert das Land Niederlassungen von Ärzten mit 25000,- Euro und bietet Wiedereinstiegskurse für Ärztinnen und Ärzte an, die aus verschiedenen Gründen einige Zeit aus dem Beruf ausgestiegen waren. In RLP gibt es immerhin 500 Ärztinnen und Ärzte, die zurzeit nicht praktizieren.

An der Universität Mainz wurde ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet, was mittelfristig dazu beitragen kann, mehr Medizinstudenten und -studentinnen für die Arbeit als Hausarzt, Hausärztin zu interessieren. Weitere Maßnahmen sind die Gründung eines Kompetenzzentrums „Allgemeinmedizin“ und von sechzehn Weiterbildungseinrichtungen.

Da die Gesundheitsvorsorge gerade auf dem Land für die Kommunen eine wichtige Zukunftsaufgabe ist, wurde eine kommunale Beratungsstelle eingerichtet, die Verbandsgemeinden mit Informationen und Hilfen für die Förderung dieses Bereichs begleiten soll.

Langfristige Maßnahmen sind natürlich in ihren Auswirkungen schwer planbar. Dennoch hofft unsere Ministerin, dass die Erhöhung der Medizinstudienplätze in RLP um 13% auch dazu führen wird, mehr Mediziner im Bundesland zu halten. Dazu kommt noch, dass in RLP kostenlos studiert werden kann.

Interessant wird sein, wie sich die sogenannte „Landarztquote“ auswirken wird. So wird die Möglichkeit bezeichnet, dass Interessenten für das Medizinstudium das Studium aufnehmen können, ohne den Anforderungen des Numerus clausus zu entsprechen, wenn sie sich verpflichten, 10 Jahre als Landarzt, Landärztin zu arbeiten.

Stationäre Gesundheitsversorgung

Sabine Bätzing-Lichtenthäler führte aus, dass es In RLP 77 Krankenhäuser mit 97 Standorten gibt. Gerade viele kleine Krankenhäuser haben aber in letzter Zeit große finanzielle Probleme. Leider versucht das CDU-geführte Bundesministerium für Gesundheit unter Minister Spahn noch immer heutige Probleme mit veralteten Mitteln zu lösen. Hier braucht es ein Umdenken.

Vor allem macht den kleinen Krankenhäusern die Refinanzierung über Fallpauschalen große Probleme. Die Ausstattung mit Räumlichkeiten, Geräten und Personal muss immer vorgehalten werden, auch wenn nur wenige Fälle in einem kleinen Krankenhaus auf dem Land vorkommen. Das ist bei großen Kliniken in Ballungsgebieten anders. Dennoch brauchen wir die kleinen Krankenhäuser in der Fläche, um die Versorgung sicher zu stellen.

Durch die Finanzierungsprobleme erfolgt hier ein Strukturwandel, der von der Politik auf Landsebene und in den Kommunen nicht gesteuert werden kann. Dies wäre aber nötig, um die Versorgung in der Fläche sicher zu stellen.

In RLP gibt es deshalb jetzt eine Konferenz, die sich alle Standorte von Krankenhäusern anschaut und bewertet. Dann sollen gemeinsam Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. In diese Konferenz hat das Land die kassenärztlichen Vereinigungen, die Krankenhaus-Gesellschaften und die Krankenkassen eingeladen. Diese übergreifende Zusammenarbeit ist ungewöhnlich, aber notwendig.

Für die Menschen in der Verbandsgemeinde Rennerod ist das DRK-Verbundkrankenhaus Altenkirchen-Hachenburg mit zwei Standorten in Altenkirchen und Hachenburg von besonderer Bedeutung. Seit einiger Zeit wird über die Zusammenlegung der beiden Standorte diskutiert.

Inzwischen wird eine Lösung in Hattert ins Auge gefasst. Hier soll es einen Neubau geben. Dies wäre das erste Mal seit 29 Jahren, dass in RLP ein neues Krankenhaus gebaut wird. Bund und Land haben bereits Zuschüsse in Aussicht gestellt, allerdings gibt es noch planerische Probleme.

Gesundheit ist Standortfaktor

Zum Ende ihres Vortrages betonte Bätzing-Lichtenthäler die zentrale Bedeutung der Gesundheitsversorgung für die Bürger. Dazu ist es wichtig, dass auch die Kommunen dies als ihre eigene Aufgabe verstehen. „Gesundheit ist Standortfaktor“, sagte die Ministerin. Jede Verbandsgemeinde sollte einen „Gesundheitsförderer“ haben. So wie es auch Stellen zur Förderung des Tourismus, der Integration etc. gibt.

In den letzten Jahren wurden in diesem Zusammenhang „Lokale Zukunftswerkstätten zur Sicherung der ärztlichen Versorgung“ durchgeführt. Die Verbandsgemeinden Rennerod und Westerburg nahmen an diesem Projekt teil. Das Engagement der CDU in der Verbandsgemeinde ließ leider sehr zu wünschen übrig. Dementsprechend waren die Ergebnisse in der Region zu der Rennerod gehörte, nicht so erfolgreich. (Siehe auch Beitrag:Endlich aufgewacht) In anderen Projektregionen haben sich aus den Zukunftswerkstätten vielversprechende Aktivitäten und Projekte entwickelt.

Schließlich betonte Sabine Bätzing-Lichtenthäler noch einmal die Notwendigkeit, gemeinsam mit allen Beteiligten und in Zusammenhängen zu handeln. Dazu gehört auch, dass ambulante und stationäre Versorgung stärker integriert betrachtet werden müssen. Genauso müssen auch die Gesundheitsversorgung und die Pflege zusammen gesehen werden.

Der Vorsitzende des Ortsvereins Rennerod Werner Burk dankte der Ministerin für den interessanten Vortrag und betonte noch einmal, dass die Gesundheitsversorgung in unserer Region für die SPD Rennerod seit langer Zeit ein wichtiges Thema ist. Der Ortsverein wird sich auch weiterhin für die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger einsetzen.

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