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Kreistagssitzung 19.3. mit Drama in 7 Akten

Veröffentlicht am 18.03.2010 in Kommunales

Die Diskussion über die Einführung eines Kreisbehindertenbeirats wird im Westerwald Kreis diskutiert. Wir haben nach intensiven Diskussionen mit Betroffen und Verbänden dazu einen entsprechenden Antrag eingebracht, auf den die Koalition aus CDU, FDP und FWG mit dem Antrag reagiert hat, das bestehende neu einzuführen.
Für die Fraktion hat Uli Schmidt das ganze als Drama in 7 Akten zusammengefasst. Dies möchte ich hier gerne dokumentieren. Ich freue mich auf weitere Diskussionen und hoffe, dass sich bis zur Kreistagssitzung noch die Vernunft durchsetzen wird. Wir werden jedenfalls nicht locker lassen!

Außerdem habe ich unseren Antrag zur Schaffung eines kommunalen Beirates für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (Behindertenbeirat) im Westerwaldkreis hier zum Download zur Verfügung gestellt und verweise auch auf eine allgemeine Stellungnahme des rheinland-pfälzische Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Ottmar Miles-Paul, zu dieser Thematik.

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Westerwälder Kreistag wird am Freitag ein vordemokratisches Drama in 7 Akten aufgeführt:

1. Akt: Behinderte Menschen und deren Angehörige wollen auch im Westerwaldkreis künftig mehr Selbstbestimmung, Gleichstellung und Teilhabe verwirklichen und darüber mitentscheiden, wie sie leben wollen - unterstützt wird dies unter anderem durch die fortschrittliche Behindertenpolitik der Landesregierung und die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

2. Akt: die SPD-Fraktion bringt in den Kreistag die Forderung nach einem Kreisbehindertenbeirat ein - in diesem sollen behinderte Menschen und deren Angehörige gemeinsam mit Einrichtungsvertretern, Vertretern der Kreistagsfraktionen und der Verwaltung die Behindertenpolitik im Kreis verbessern

3. Akt: die CDU/FWG/FDP-Koalition im Kreistag hat Angst vor der Mitwirkung der behinderten Menschen und stellt einen Gegenantrag: ein Kreisbehindertenbeirat ist Teufelszeug und es soll stattdessen ein/e Kreisbehindertenbeauftragte/r bestellt werden

4. Akt: es gibt noch Leute im Kreistag die wissen was in der Kreisverwaltung los ist und machen darauf aufmerksam: die Kreisbehindertenbeauftragte gibt es bereits offiziell seit 2003! Allerdings war dies nur eine Alibifunktion und weder den behinderten Menschen noch den Kreispolitikern bekannt.

5. Akt: Die "Koalition" der Vernunft hält an ihrem Antrag fest und bringt nicht den Mut auf, ihren Fehler einzugestehen indem man etwas bereits Bestehendes beantragt hat. Um davon abzulenken werden die Initiatoren des Kreisbehindertenbeirates beschimpft und es wird vor einem "Nebenkreistag" der Behinderten gewarnt.

6. Akt: Unter Federführung der CDU wird der Antrag auf Einrichtung eines Kreisbehindertenbeirates abgelehnt und die Weiterbeschäftigung der bereits im Amt befindlichen Kreisbehindertenbeauftragten mit schmückendem aber unnützem Beiwerk versehen - die Alibifunktion besteht fort - der Dank der betroffenen Menschen für diese behindertenpolitische Großtat der Kreistagsmehrheit fällt wider Erwarten eher gering aus!

7. Akt: alle die sich weiterhin für Fortschritte in der Behindertenpolitik auf Kreisebene einsetzen, halten an der Forderung "Selbst bestimmt leben, wohnen, arbeiten und lernen" fest - sie kündigen an, dass dieses Thema im Westerwaldkreis jetzt ganz oben steht und dort bleiben wird! Auch der Kreisbehindertenbeirat … .

Der Antrag ist zur Kenntnis beigefügt.

Gruß
Uli Schmidt
SPD-Kreistagsfraktion
und
Forum Soziale Gerechtgikeit

Homepage Dr. Tanja Machalet, MdL für den Wahlkreis 6 (Montabaur)

Kommentare

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Beirat könnte mehr erreichen (Teil 2)

(Fortsetzung) Da ich vor allem mit Menschen mit seelisch Behinderungen zu tun habe, möchte ich anmerken, dass die im Zusammenhang mit der Begründung des Gegenantrages von CDU, FWG und FDP genannte "Psychiatriekonferenz" seit mindestens 2004 nicht getagt hat! Dieses Gremium ist im Landesgesetz für psychisch Kranke verankert. Dort könnten sich Betroffene gut beteiligen. Den "Psychosozialen Arbeitskreis" von Vertretern der Kostenträger und Institutionen sowie der Kreisverwaltung gibt es ja. Aber in ihm sind keine Kreispolitiker vertreten, die eine politische Richtung der Behindertenarbeit anregen oder vorgeben könnten. Das heißt nach meinem Eindruck: Die Behindertenarbeit des Kreises wird verwaltet, aber nicht politisch gestaltet. Ein Behindertenbeirat könnte nach meiner Überzeugung hier mehr erreichen.

Autor: Dr. Annelie Scharfenstein, Datum: 19.03.2010, 10:49 Uhr


Beirat könnte mehr erreichen (Teil 1)

Ich halte den Antrag der SPD auf einen Behindertenbeirat, in dem auch Betroffene sowie Angehörige vertreten sind, für eine bessere Lösung als eine Einzelperson. Wenn schon die hauptamtliche Beauftragte nicht in Erscheinung tritt, wie wird es wohl einem Ehrenamtler ergehen? Wie oft muss ich als Psychotherapeutin mir anhören, wie gerade die Betroffenen selbst mit ihren berechtigten Anliegen auf Unverständnis bei der Kreisverwaltung stoßen. (Fortsetzung im nächsten Kommentar)

Autor: Dr. Annelie Scharfenstein, Datum: 19.03.2010, 10:48 Uhr


Politik hinkt stark hinterher (III)

Was glauben eigentlich Politiker, wie die behinderten Menschen sich fühlen, wenn man ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Beteiligungsrechte verweigert, nach dem Motto: "Wir Politiker wissen, was euch gut tut." Behinderte Menschen sind sehr wohl in der Lage, ihre Probleme anzupacken, Wünsche zu äußern, sich mit komplexen Themen auseinanderzusetzen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Sie brauchen allerdings die Mithilfe der gesellschaftlich Verantwortlichen, um ihre Rechte auch durchsetzen zu können.

Autor: Otto Gilberg, Datum: 19.03.2010, 09:47 Uhr


Politik hinkt stark hinterher (II)

[...]Am Freitag entscheidet nun der Kreistag in seiner Sitzung, ob ein Behindertenbeirat eingerichtet wird oder nicht. Man kann sicherlich darüber streiten, ob die Bestellung eines solchen Beirates den Erfordernissen der behinderten Menschen ausreichend gerecht wird. Wenn man allerdings die WZ vom 12. März aufschlägt und den Bericht "Behindertenbeauftragter im Kreis?" liest, muss man zu der Vermutung kommen, dass einige politisch Verantwortliche es nicht ganz so ernst meinen mit der Gleichstellung von behinderten Menschen. Wie kann es denn sein, dass man nun eine Stelle per Kreistagsbeschluss installieren will, die es so schon seit Jahren gibt, allerdings von kaum jemand bisher wahrgenommen wurde und daher auch keinerlei Einfluss auf politische Entscheidungsbildung hatte. Soll nun diese Alibifunktion weitergeführt werden? [...]

Autor: Otto Gilberg, Datum: 19.03.2010, 09:46 Uhr


Politik hinkt stark hinterher (I)

Im Kreis gibt es einen Streit über die Behindertenvertretung. Die SPD fordert einen Beirat. CDU, FWG und FDP sprechen sich für einen Behindertenbeauftragten aus. Die Politik ist dabei, sich über die Verwirklichung einer umfassenden Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung ernsthafte Gedanken zu machen. Leisten schon seit Jahren viele Menschen ehrenamtlich hervorragende Arbeit und helfen mit, die Bedingungen der behinderten Menschen zu verbessern, so hinkt die Politik in einigen Bereichen doch stark hinterher. Trotz vielerlei Anstrengung in Verbänden, Organisationen, Einrichtungen und Selbsthilfegruppen ist es bisher nicht gelungen, mit einer Sprache zu sprechen. Um dies nun endlich voranzubringen, wird seit Wochen über die Installierung eines Behindertenbeirates diskutiert. Dieser Beirat soll bei allen Angelegenheiten, die die Belange der behinderten Menschen des Westerwaldkreises berühren, gehört werden. [...]

Autor: Otto Gilberg, Datum: 19.03.2010, 09:45 Uhr


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