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„Pünktlichkeit bleibt Problem auf der Siegstrecke“ – Bahn und SPNV-Zweckverbände nehmen Stellung zur Kritik an Talent 2

Veröffentlicht am 09.11.2012 in Pressemitteilung

Kreisgebiet. „Die Kritik an der mangelnden Pünktlichkeit war und ist beim Rhein-Sieg-Express (RE9) leider ein Thema auf der Siegstrecke.“ So heißt es in einem gemeinsamen Schreiben der für den Schienenpersonennahverkehr zuständigen Zweckverbände SPNV-Nord und Westfalen-Süd an die Bundestagsabgeordnete Sabine Bätzing-Lichtenthäler sowie den Landtagsabgeordneten Thorsten Wehner.

Wie berichtet, waren die SPD-Politiker zunehmend von verärgerten Bahnkunden auf die Qualität der neuen Elektrotriebwagen vom Typ ET 442 (Talent 2-Züge) angesprochen worden. Beide hatten daraufhin die DB Regio NRW GmbH als Betreiberin der Linie sowie die Zweckverbände in Koblenz und Siegen um Stellungnahmen gebeten. Die jetzt vorliegenden Antworten würden zumindest einige der Kritikpunkte direkt oder indirekt bestätigen.

Für die Probleme hinsichtlich der Pünktlichkeit machen die Zweckverbände die dichte Zugfolge auf dem stark belasteten Streckenabschnitt zwischen Köln und Troisdorf verantwortlich, „bei der sich schon kleinere Verspätungen schnell potenzieren.“ Negativ auf den Fahrplan würden sich im Verspätungsfalle auch die eingleisigen Streckenabschnitte auswirken. Dabei gebe es durchaus Fahrzeitreserven aufgrund der besseren Beschleunigungs- und Bremswerte der neuen Talent 2-Züge. Diese seien dazu genutzt worden, einen neuen Halt in Porz einzurichten sowie die knappe Übergangssituation von und nach Frankfurt in Siegen zu entschärfen.
Auf „leichte Verbesserungen“ der Anschlusszeiten in Siegen verweist auch die DB Regio. In Einzelfällen hätten Verspätungen von bis zu 18 Minuten bei der Fahrt von Siegen nach Aachen aufgeholt werden können. „Dazu muss man aber wissen, dass der RE9 in Köln einen fahrplanmäßigen Aufenthalt von 11 Minuten hat“, relativieren Bätzing-Lichtenthäler und Wehner die Aussage der Bahn.

Die Zweckverbände gehen auch auf die Kritik am mangelnden Komfort der neuen Fahrzeuge ein. Hierbei habe man Kompromisse zwischen den unterschiedlichen Philosophien der Aufgabenträger schließen müssen. So gingen die Ansprüche von Kölner Seite (Nahverkehr Rheinland) eher in Richtung S-Bahn-Betrieb, wohingegen SPNV-Nord und ZWS aufgrund längerer Reisezeiten mehr Sitzplätze und weitere Abstände gefordert hätten.
Unterschiedliche Ansprüche bestehen offenbar auch bei den Bahnkunden selbst. Der SPNV-Nord weist darauf hin, dass im eigenen Zuständigkeitsbereich auf der Moselstrecke in Bezug auf den Komfort der Fahrzeuge so gut wie keine Kundenbeschwerden vorlägen.

Die Fahrgäste hatten insbesondere das deutlich geringere Platzangebot gegenüber den bisherigen Doppelstockzügen kritisiert. Hierzu erinnern Zweckverbände und DB gleichermaßen an die verspätete Betriebszulassung der neuen Elektrotriebwagen. Von den bestellten 15 Zügen seien bislang nur neun vierteilige Einheiten einsatzbereit. Des Weiteren sei es in der laufenden Erprobungsphase bei einigen Zugfahrten zu Störungen gekommen. Dadurch hätten zeitweise nur einzelne Fahrzeuge mit entsprechend weniger Sitzplätzen fahren können.
Bei dieser Thematik greift die DB Regio nach Meinung der beiden Abgeordneten zudem „tief in die psychologische Trickkiste“. So mute der Erklärungsversuch etwas seltsam an, wonach die Talent 2-Züge oft nur aufgrund des „subjektiven Empfindens der Fahrgäste“ als voll eingeschätzt würden. Die Bahn schreibt dazu: „Hintergrund ist die freie Sicht durch das gesamte Fahrzeug, bei der man hunderte Fahrgäste sieht, während man in einem Doppelstockwagen maximal 40-50 Fahrgäste im Blick hat.“

Wenig tröstlich dürfte für die Pendler nach Köln der Hinweis des SPNV-Nord sein, dass die Kapazitätsanforderungen des Rhein-Sieg-Express auf dem rheinland-pfälzischen Streckenabschnitt mit dem neuen Konzept gut bewältigt werden könnten. Dabei habe man sich vorab auf Seiten der Aufgabenträger über die Auslastung in Spitzenzeiten durchaus Gedanken gemacht, so die Zweckverbände weiter. Das neue Betriebskonzept sehe auch fabrikneue Doppelstockreisezugwagen vor, die vor allem zu den klassischen Berufspendlerzeiten verkehren würden. Die Bahn fügt als Beispiel hierzu an, dass im ursprünglichen Konzept lediglich zwei Züge mit sechs Doppelstockwagen vorgesehen waren. Mittlerweile würden bereits sechs Züge pro Tag verkehren.

Die DB Regio versichert, dass man das von den Aufgabenträgern geforderte Platzangebot auf jeden Fall erfüllen wolle. Verlässliche Aussagen zum Verhältnis zwischen Platzangebot und Fahrgastnachfrage sowie zur Pünktlichkeit könnten aber erst zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember erfolgen. Sollte danach die Situation kritisch sein, werde nach Lösungen gesucht. Auch die von Kunden aufgezeigten Qualitätsmängel würden gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller untersucht.

Für Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Thorsten Wehner sind die vorliegenden Antworten nicht in jedem Punkt zufrieden stellend. Man wolle zunächst den Fahrplanwechsel abwarten. Im neuen Jahr soll die Problematik auf der Siegstrecke noch einmal kritisch unter die Lupe genommen werden. Hierzu kündigen die SPD-Politiker eigene „Testfahrten“ mit den neuen Elektrotriebwagen an, um die Situation für die Fahrgäste „hautnah“ miterleben zu können.

Homepage Sabine Bätzing-Lichtenthäler – Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Betzdorf/Kirchen und Staatsministerin in Rheinland-Pfalz

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