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Topthema NSA-Abhörskandal: Alle Karten müssen auf den Tisch!

Veröffentlicht am 12.07.2013 in Internationales

Nichts hören, Nichts sehen, Nichts sagen.

Getreu der Arbeitsweise der berühmten drei Affen agiert die Bundesregierung auch drei Wochen nach den Enthüllungen des Edward Snowden weiterhin in aktivem Nichtstun und Schweigen. Statt dem berechtigten Interesse der deutschen Bevölkerung nach Aufklärung und Transparenz im Umgang durch NSA und PRISM mit ihrem verfassungsrechtlich verbrieften Grundrecht auf Datenschutz vollständig nachzukommen, scheint man im Kanzleramt und Bundesinnenministerium nun selbst in geheimdienstlicher Manier die Wahrheit über Art und Umfang der Online-Überwachung nur scheibchenweise ans Tageslicht kommen lassen zu wollen.

Gezwungenermaßen, nachdem man selbst bei der Bundesregierung nach erfolglos versuchtem Aussitzen des Datenschutz-Supergaus zur Erkenntnis gelangt ist, dass beharrliches Schweigen und Herumdrucksen keine angemessene politische Reaktion auf die Besorgnis vieler Menschen um die Vertraulichkeit ihres Datenverkehrs im Internet sein kann.

Wie sehr das Thema die Menschen bewegt, erfahre ich in den vielen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern unseres Wahlkreises. In meinem letzten Klartext habe ich bereits auf die schwierige Belastungsprobe hingewiesen, vor welche der Abhörskandal die Gespräche der EU mit den USA über ein Freihandelsabkommen stellt. Mit Antiamerikanismus, wie uns Bundesinnenminister Friedrich (CSU)  gerne weis machen will, hat der Anspruch auf vollständige Aufklärung des Datenklaus nichts zu tun. Und auch nicht mit dem zweifelsfreien berechtigten Interesse sowohl Deutschlands als auch der USA an Sicherheit vor grenzüberschreitendem Terrorismus, wenn zu deren Gewährleistung die Freiheit und Privatsphäre im Internet abgeschafft werden.  Eher mit dem offenen und fairen Umgang unter gleichberechtigten Partnern und Verbündeten zur Gewährleistung der informationellen Selbstbestimmung ihrer Bürgerinnen und Bürger, wie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu recht betont.

Bundesinnenminister Friedrich sah sich überhaupt erst auf Druck der Opposition genötigt, zur Klärung der Ausspähvorwürfe in die USA zu reisen. Und was macht Frau Merkel trotz offen zur Schau getragenem Erstaunen und Empörung? Sowohl Regierungssprecher Steffen Seibert als auch der Sprecher des Bundesinnen-ministeriums halten sich seit Wochen mit sämtlichen Aussagen zu den NSA-Aktivitäten und der Beteiligung des BND nahezu vollständig bedeckt, und verweisen die Bürgerinnen und Bürger darauf, dass diesbezüglich lediglich das Parlamentarische Kontrollgremium zu informieren sei.

Versprochene Aufklärung und Transparenz? Fehlanzeige!

Die SPD fordert daher als Lehre aus dem Spähskandal von der Bundesregierung die Offenlegung aller Fakten, insbesondere zu den weiterhin offenen Fragen,

  •                was die Bundesregierung zu welchem Zeitpunkt über die  in Rede stehenden  
                   Abhöraktionen durch NSA und PRISM wusste, und wie sie mögliche
                   begangene Verfassungsverstöße rechtfertigen will,
     
  •                inwiefern der BND und der Geheimdienst-koordinator im Kanzleramt, Ronald
                   Pofalla, über die Spähprogramme Bescheid wussten, und welchen 
                   Wahrheitsgehalt die am Wochenende im „Spiegel“ publik gemachten
                   angeblichen Verbindungen und gemeinsamen Aktivitäten von BND und NSA
                   tatsächlich haben,
     
  •                welche vertraglichen Vereinbarungen zwischen den deutschen und 
                   amerikanischen Geheimdiensten existieren und wirksam sind,
  •                inwieweit die Abhöraktivitäten durch PRISM gezielt auch auf Industrie- und
                   Wirtschaftsspionage in Europa und Deutschland abzielen,
     
  •               was die Bundesregierung als Konsequenzen aus den vorgeworfenen 
                  Ausspähaktionen und Verstrickungen des BND zu tun gedenkt,
     
  •               der Effektivität des deutschen Geheimdienstes, falls die Behauptung zutreffend
                  sein sollte, man habe über das Ausmaß der schrankenlosen Überwachung nur
                  unzureichende Kenntnisse gehabt,
     
  •               welche Kenntnisse sie über Abhörmaßnahmen der USA in europäischen          
                  Botschaften und EU-Vertretungen hat,
     
  •               ob sie nach Jahren des Nichtstuns in der Sache endlich die Initiative für einen
                  neues europäisches Datenschutz anstelle der bisherigen europäischen
                  Vorratsdatenspeicherung-Richtlinie ergreift, die Bundesregierung muss sich
                  hier aktiv auf europäischer Ebene für ein wirksames europäisches
                  Datenschutzrecht einsetzen, das der Überwachung durch ausländische und
                  inländische Geheimdiensten einen Riegel vorschiebt.

Die SPD sieht sowohl die Bundesregierung als auch die EU-Kommission in der Pflicht, das Verhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit im Internet gemeinsam mit ihren britischen und amerikanischen Partnern vor dem schwierigen Zielkonflikt von möglichst schonenden Eingriffen und größtmöglicher Privatsphäre für die Bürgerinnen und Bürger neu zu justieren.

Homepage Sabine Bätzing-Lichtenthäler – Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Betzdorf/Kirchen und Staatsministerin in Rheinland-Pfalz

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